Was ist eigentlich… ein Zertifikat? Oder: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Wie investieren die Deutschen in unsicheren Zeiten? Diese spannende Frage konnte die Deka Bank vor wenigen Tagen zumindest für Ihre Kunden beantworten. Sie veröffentlichte ihre Quartalszahlen 2020 und konnte einen Boom auf die hauseigenen Fondsprodukte verzeichnen.

In den ersten 3 Quartalen sammelten die Sparkassen in Deutschland für die Deka Bank 9,7 Milliarden Euro ein. Spannend daran war unter anderem, dass alleine 3,4 Milliarden Euro auf Zertifikate fielen. Warum ist das so? Machen Zertifikate in unruhigen Zeiten mehr Sinn als andere Finanzprodukte? Und wer weiß schon so ganz genau, was ein Zertifikat überhaupt ist?

Ein guter Zeitpunkt, um sich das Finanzprodukt Zertifikate einmal genauer anzuschauen. 

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Betrachtet man Zertifikate rein rechtlich, so handelt es sich dabei um Inhaberschuldverschreibungen, welche an der Börse gehandelt werden. Der Anleger leiht also sein Geld der Sparkasse. Darüber erhält er ein Zertifikat. 

Dieses Zertifikat bezieht sich dann auf ein Anlageprodukt, genannt Basiswert. Ein Basiswert kann z.B. eine Aktie, eine Anleihe, eine Zinsentwicklung, Rohstoffe oder ein Index sein. Wir kaufen z.B. eine Aktie nicht direkt, sondern verleihen Geld an unsere Bank, damit diese den Aktienwert zu einem fest vereinbarten Zeitpunkt erwirtschaftet. Nach welchen Regeln das geschehen soll, wird in den Zertifikatsbedingungen, auch Emissionsbedingungen genannt, festgelegt. 

In den Bedingungen sind der Kreativität fast keine Grenzen gesetzt. Vereinbart werden kann beispielsweise, dass bei bestimmten Marktsituationen ein Bonus ausgeschüttet werden soll. Eine Marktsituation kann ein steigender Markt, ein fallender Markt oder auch ein seitwärts verlaufender Markt sein. Tritt der vereinbarte Fall ein, bekommt das Zertifikat einen Bonus. Wir sprechen dann von einem Bonuszertifikat. Neben diesem gibt es noch Garantiezertifikate, Indexzertifikate, Discountzertifikate, Hebelzertifikate, Basketzertifikate, Expresszertifikate und Trackerzertifikate. 

Ich kann mit einem Zertifikat auch mehrere Einzelwerte gemeinsam abbilden. Wir sprechen dann von einem Basketzertifikat. Bilden diese Werte einen Index ab, wie z.B. den DAX, dann sprechen wir von einem Indexzertifikat.

Ist ein Indexzertifikat das Gleiche wie ein indexabbildender Fonds (ETF)?

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Nein, denn bei einem ETF erwerbe ich als Anleger selbst einen Fonds und damit Sondervermögen, welches nebenbei auch insolvenzgeschützt ist. Ich bin also frei von Bonitätsrisiken, solange ich vollreplizierende ETF benutze. 

Da ich mit Erwerb eines Zertifikates meiner Bank das Geld leihe, ist weder ein Insolvenzschutz gegeben, noch habe ich eine direkte Investition getätigt. Ein Umweg, der nicht nur zur Verwirrung führen kann, sondern damit auch risikobehafteter und deutlich teurer ist. 

Kostenstruktur:

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Um zu verstehen, warum ein Zertifikat deutlich teurer ist, muss man die Kostenstruktur verstehen. Grundlegend kann man sagen, dass Zertifikate vollgestopft sind mit Kosten. Verwaltungsgebühren, Ordergebühren, Managementgebühren und Ausgabeaufschläge, um nur einige zu nennen.  Oftmals enthalten sie zusätzlich eine Menge versteckter Kosten, also Kosten die nicht ausgewiesen werden müssen.

Zertifikatehandel:

Ein besonderes Highlight: Da die Banken nicht nur im Zertifikat handeln, sondern auch mit den Zertifikaten selbst, wird auch an dieser Stelle mächtig Geld verdient. Natürlich auf Kosten des Anlegers. Wie funktioniert das? In der Regel stellen Banken für den Ankauf eines Zertifikates einen niedrigeren Preis ein, als sie selbst das Zertifikat verkaufen würden. Um es an einem Beispiel fest zu machen: Kaufe ich von der Bank ein Zertifikat zahle ich mehr, als wenn ich das gleiche Zertifikat der Bank verkaufen möchte. Fair ist das natürlich nicht. Aber da die meisten Anleger eh nicht verstehen, was sie da abgeschlossen haben, ist es eben machbar. 

Ein Zertifikat ist also tendenziell ein teures Vergnügen. Aber wie sicher ist eine solche Anlage?

Neben den allgemeinen Risiken, die jedes Aktien- oder Anleihengeschäft innehat, leistet sich ein Zertifikat einige Risikofaktoren mehr. Beispielhaft hier einige Beispiele:

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Emittentenrisiko

Inhaberschuldverschreibungen, zu denen Zertifikate gehören, sind im Falle einer Insolvenz des Emittenten nachrangige Posten. Die Chance, sein Geld zurückzuerhalten ist also nicht besonders groß. Nehme ich ein Zertifikat auf eine Aktie, dann kann das Unternehmen pleite gehen, der Aktienwert auf Null rauschen und die emittierende Bank ebenso. Quasi eine Verdopplung des Risikos. Viele Anleger erinnern sich sicherlich noch an die Lehmann Brothers Pleite. Hatten Sie ein Sparkassen Zertifikat von Lehmann Brothers über die Sparkasse gekauft, so war das Geld weg. Die Sparkassen mussten Lehmann Anleger nicht entschädigen.

Kursrisiko:

Zertifikate investieren in Basiswerte. Schwankt dieser Basiswert, dann schwankt auch der Wert des Zertifikates, je nach Zertifikatsvereinbarung sogar überproportional. 

Liquiditätsrisiko:

In Zertifikaten bindet man sein Kapital in aller Regel für einen bestimmten Zeitraum. Will man vorher an sein Geld, kann man nicht einfach sein Zertifikat liquidieren. Man kann allenfalls versuchen, ein Teil des Geldes am Zweitmarkt zurückzubekommen. Gibt es dort aktuell keine Nachfrage, dann hat man keine Chance auf Liquidität. 

Fazit:

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Zertifikate sind im Grunde Wetten, bei denen die Rahmenbedingungen maximal variabel sind und die Kosten sehr hoch. Für einen Privatanleger ist es selten sinnvoll, sich auf diese Wette einzulassen. Die wenigsten Anleger verstehen wirklich, was sie abgeschlossen haben, die Kosten sind viel zu hoch und die Risiken ebenso. 

Warum bieten Banken in aller Regel statt Indexzertifikaten keine Indexfonds an? Weil sie daran nichts verdienen. Sie wären darauf angewiesen, von ihren Kunden Honorare zu verlangen, was diese meist nicht wollen oder können. Da passt ein Indexzertifikat deutlich besser, weil man als Bank damit richtig Geld verdienen kann. 

Für den Anleger gilt auch hier: Je komplizierter das Produkt, desto geringer die Chance auf eigenen Gewinn. Generell sollte man nur in Anlagen investieren, die man auch versteht. Wenn Banken, Zertifikate an Privatanleger verkaufen, kann man für den Anleger nur hoffen, dass er beim verlassen der Bank auch verstanden hat, was er unterschrieben hat.

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Karsten Matt
Karsten Matt
Ist es fair, wenn Menschen bewusst im Unklaren gehalten werden, wenn es um die Inhalte ihrer Investmentprodukte geht? Darf es sein, dass in Deutschland auf jegliche Art von Bildung Wert gelegt wird, nur nicht auf Finanzbildung?

Wie schafft man es als Berater, seine Kunden vor diesen Gefahren zu schützen und sie auf direktem Weg zu ihren finanziellen Zielen zu führen?

Mit diesen Fragen beschäftige ich mich tagtäglich. Ich schreibe Artikel, halte als Speaker Vorträge und coache meine Kunden, damit sie auf direktem Weg ihre finanziellen Ziele erreichen. Ende des Jahres erscheint das erste Buch von mir.

Als Vater von Zwillingen ist es mir wichtig, Werte zu vermitteln und diese auch zu leben. Offenheit, Ehrlichkeit und Fairness sind dabei grundlegende Attribute. Ich gebe meinen Kunden die Art von Beratung, die ich gerne für mich in Anspruch nehmen möchte.

Finanzberatung muss nicht trocken und langweilig sein. Man kann seine Kunden auch mit Lockerheit und einem Schuss Humor zu finanzieller Freiheit führen. Wie? Das verrate ich in diesem Blog, in meinen Vorträgen und gerne auch persönlich.

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